Flusslandschaft 1986

Frieden/Abrüstung

Das Motto des Ostermarsches lautet „Nein zur WAA und Weltraumrüstung!“ Am Sonntag, 30. März, findet ein Sternmarsch vom Pariser Platz, Steubenplatz und Kaiserplatz zum Marienplatz statt. Es sprechen dort Bernt Engelmann, Leo Mayer und Landrat Hans Schuirer aus Schwandorf.

Nachruf auf den Leiter des Instituts für Internationale Friedensforschung (IIF) München, Alfred Schrempf.1

Weltweit bekannt wird Mutlangen, das zwischen dem Welzheimer Land und dem östlichen Vorland der schwäbischen Alb auf einer Höhe über dem Remstal liegt, durch die von 1982 bis 1990 auf der Mutlanger Heide stationierten Pershing-II Raketen. Um den Abzug der Nuklear-Raketen zu erreichen, veranstalten Raketengegner wiederholt ein Friedenscamp und rufen zur Blockade des Depots auf. Die Pressehütte Mutlangen wird zum Anlaufpunkt für die Friedensdemonstranten und Ausgangspunkt für die Raketenverfolgung und Aktionen. 2.999 Blockierer werden hier insgesamt festgenommen, wegen Nötigung angezeigt und in der Regel vom zuständigen Amtsgericht Schwäbisch Gmünd zu Geldstrafen von 20 Tagessätzen verurteilt. Das Bundesverfassungsgericht hob später die Verurteilung als verfassungswidrig auf. Auch aus München beteiligen sich zahlreiche Frauen und Männer an den Protesten und Blockaden, so auch bei der so genannten Muttertags- und bei der Herbstblockade.2

30 Jahre Bundeswehr: Am 16. November plant Heinz Jacobi eine öffentliche Probe von Brechts „Legende vom toten Soldaten“ auf dem Königsplatz.3 Schließlich veranstaltet der Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD am 30. November um 15 Uhr auf der Theresienwiese als zweite öffentliche Probe die „Legende vom toten Soldaten“ nach einem Gedicht von Bertolt Brecht, das Hanne Hiob vorträgt.4 Auf einem Transparent ist zu lesen: „Dieses Land muss Brecht und seine Legende vom toten Soldaten vertragen! Die Mahner und Kämpfer gegen Militarismus, gegen die Kriegstreiber, gegen den deutschen Imperialismus werden der Aufführung der Legende vom toten Soldaten ihr Recht erstreiten.“ Was davor geschah: Am 9. November 1985 war „der Soldat des I. Weltkrieges in Verdun ausgegraben“ worden. Am 10. November 1985 war „der Soldat des II. Weltkrieges in Bitburg ausgegraben“ worden. Am 13. November 1985 nahm „der Soldat an einer Parade“ in Bergen-Belsen teil.

Siehe auch „Militanz“.


1 Siehe „Alfred Schrempf (40) ist tot“ von Johannes Glötzner.

2 Fotografien Grete Schaa, Sammlung Friedrich Müller.

3 Siehe „Öffentliche Proben von Brechts ‚Legende vom toten Soldaten’ in München, der Hauptstadt der Bewegung durch den Übermut der Ämter“ von Heinz Jacobi.

4 Siehe die Fotos vom „30. november“ von Gustav Dittrich.