Flusslandschaft 1978

Medien

Im Februar veröffentlicht Die Zeit einen Artikel über Margit Czenki. Es kommt zu Beschwerden.1

Zehn Jahre lang gibt es im Bayerischen Rundfunk ein kritisches Biotop. Jeden Dienstag treten im „Pop Sunday“ Autorinnen und Autoren auf, die jenseits des mainstreams experimentieren und kritisieren. Am 12. März spricht und singt Julius Schittenhelm.2

Für kritisches Auftreten in der Öffentlichkeit braucht es Mut. Sehr schnell wird man mit der grob vorgebrachten Behauptung konfrontiert, man sei ein „Wegbereiter des Terrorismus“. Manche Zeitgenossen sind der Meinung: „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.“ Nicht wenige „Alternative“ knicken ein oder resignieren. Andere halten sich über Wasser, indem sie Lieder von Konstantin Wecker hören.3 Der Sänger meint: „Man merkt mit der Zeit, dass eine nie ausgesprochene Zensur einfach da ist. Man spürt auch, dass man eine gewisse Alibi-Funktion erfüllt … Unsere ganz subtile Form des Wegs zum Faschismus funktioniert über die Medien.“

Am 26. April lassen sich Regisseure, Verleiher und Kinobesitzer aus Protest gegen das Fernsehen „in Ketten legen“.4

Die Bürgerinitiative Rundfunkfreiheit5 war erfolgreich. Mit dem Volksbegehren „Rundfunkfreiheit“ wurden zunächst die begehrlichen Übergriffe der herrschenden Partei im Freistaat auf den Bayrischen Rundfunk ein wenig behindert. Aber: Jetzt werben allenthalben Bayerische Staatsregierung und Wirtschaftsverbände für die Einführung des Kabelfernsehens und die Öffnung für private Anbieter. Kritiker befürchten nivellierende Auswirkungen des Kommerzfernsehens auf die Inhalte des öffentlich-rechtlichen Fernsehens und fragen nach Sinn und Zweck der flächendeckend geplanten Breitbandverkabelung.6

Der frischgebackene Oberbürgermeister Erich Kiesl weiß um die Bedeutung der Presse und pflegt sie.7


1 Siehe „‚Ihnen ist eben alles zuzutrauen’“ von Adelheid Ohlig und „Noch so’n Müll“; vgl. „Sog. Bank-Lady“ und Margit Czenkis „Dagegen leben“ 1977.

2 Siehe „Die Angst“ von Julius Schittenhelm.

3 Siehe „Oamoi von vorn ofanga“ von Konstantin Wecker.

4 Vgl. Münchner Merkur 97/1978.

5 Siehe „Warum Bayern eine Bürgerinitiative Rundfunkfreiheit braucht“ von Hella Schlumberger.

6 Vgl. Was ist, wem nützt, wer will Kabel-Fernsehen? Bayerische Initiative Rundfunkfreiheit e.V., München 1978.

7 Siehe „Umarmung auf bayrisch …“ von D.G. Brüll.