Flusslandschaft 1972

Internationales

USA und Vietnam
Türkei
Mosambik und Portugal
Griechenland
Israel und Palästina


USA und VIETNAM

22. Februar 1972: Im Herbst 1970 verhaftete die US-amerikanische Polizei die farbige Aktivistin, Bürgerrechtlerin und Feministin Angela Davis, der man die Unterstützung des Terrorismus vor-
warf. Ihr drohte die Todesstrafe. Daraufhin entstand eine weltweite Solidaritätsbewegung. Angela Davis ist neben Rosa Luxemburg die einzige Frau in der Männerriege, die auf vielen Plakaten der Demonstrationen der letzten Jahre zu sehen war. Aber auch auf vielen Wänden hieß es „Freiheit für Angela Davis“. In riesigen Lettern steht dieser Spruch im Juni und Juli auf dem Giebel des Nationaltheaters, das die östliche Seite des Max-Joseph-Platz beherrscht.1

Am 4. Juni 1972 wird Davis freigesprochen. Die Solibewegung hat eines ihrer Ziele erreicht. 2009 lehrt Angela Davis als Professorin an der University of California in Santa Cruz.

10. Mai: Aufruf zur Demonstration „Verhindert den 3. Weltkrieg! Stoppt Nixon jetzt!“2

Für den 4. Juli laden das Münchner Vietnam-Komitees für Frieden und Befreiungskampf (VKfFuB) sowie folgende Organisationen zu einer Demonstration ein: Assoziation Lateinameri-
kanischer Studenten
(AELA), Äthiopische Studentenunion (ÄSU), Arbeiter-Basisgruppen (ABG), AStA der Hochschule für Politik, AStA der Musikhochschule, AStA der Stiftungsfachhochschule, AStA der Technischen Universität, AStA der Fachhochschule, Conföderation Iranischer Studenten (CISNU), Kommission zur Hilfe für die politischen und sozialen Gefangenen in Spanien (CAPPSE), Freunde der PAK (Panhellenische Befreiungsbewegung), Generalunion Palästinen-
sischer Studenten
(GUPS), Kommunistischer Hochschulbund(Marxisten-Leninisten) (KHB/ML), Marxisten-Leninisten an der Hochschule für Politik, Patriotische Antidiktatorische Front Grie-
chenlands
(PAM), Patriotische Einheitsfront für eine demokratische Türkei-Europa (PEF), Projektgruppe Medizin an der Technischen Universität (PGMTU), Rote Schülerfront (RSF), Selbstorganisation der Ersatzdienstleistenden (SOEDL), Solidaritätskomitee Freies Afrika, Sozialistische Jugend Griechenlands (Petroulas), Sympathisanten des Roten Pfeil, Türkeikomitee, Türkischer Kulturbund, Türkischer Studentenverein, Westendgruppe, Schülermitverwaltung des Max-Gymnasiums, Schülermitverwaltung des Oskar von Miller-Gymnasium, Schülermitverwal-
tung des Bert-Brecht-Gymnasium, Schülermitverwaltung des Sophie-Scholl-Gymnasiums. Etwa zweitausend Menschen demonstrieren vom Goethe- zum Marienplatz.

3

Am 24. Dezember kommt es zu Aktionen vor den Münchner katholischen Kirchen gegen den Bombenterror in Vietnam;4 auch in Regensburg wird protestiert.5

TÜRKEI

Am 4. März findet eine Demonstration von siebenhundert bis tausend Menschen gegen die Todesurteile in der Türkei vom Lenbachplatz zum Marienhof statt. Aufgerufen haben dazu
unter dem Motto „Solidarität mit dem Volk der Türkei“ die Patriotische Einheitsfront für eine demokratische Türkei (PEF), die ABG und die Aktionseinheit antiimperialistischer Schüler.

MOSAMBIK und PORTUGAL

Am 16. März 1972 protestieren bei der Aktionärsversammlung der Siemens AG Kleinaktionäre
wie schon 1971 gegen das Engagement der Firma in Mosambik.6 — Am 25. Juni 1975 erringt die FRELIMO die Unabhängigkeit des Landes von Portugal.

GRIECHENLAND

21. April: Ein Plakat, das an der Kunstakademie im Siebdruckverfahren entsteht, zeigt Patakos, Papadopoulos und Hitler.7

ISRAEL und PALÄSTINA

Am 7. Oktober findet eine Kundgebung gegen das Verbot arabischer Organisationen statt.8


1 Vgl. tz 44/1972. Siehe „Zwei Nächte vor der Entlassung …“; Fotos: Stadtarchiv Standort ZB-Ereignisfotografie-Politik-Demonstrationen.

2 Stadtarchiv, Zeitgeschichtliche Sammlung 516/14

3 Siebdruck, Plakatsammlung, Archiv der Münchner Arbeiterbewegung.

4 Vgl. Süddeutsche Zeitung 297/1972.

5 Siehe „Weihnachtsfrieden“ von Wolfgang Blaschka.

6 Siehe „Pfiffe, Geschrei, Tumult“ und „Internationales“ 1971. Vgl. Niels Seibert: „‚Wie viele Todesopfer haben Sie in die Kosten-Gewinn-Berechnung eingeplant?’ — Internationalistische Proteste auf Aktionärsversammlungen“ in: Zara S. Pfeiffer (Hg.), Auf den Barrikaden. Proteste in München seit 1945. Im Auftrag des Kulturreferats der Landeshauptstadt München, München 2011, 113 f. Vgl. Niels Seibert, Vergessene Proteste. Internationalismus und Antirassismus 1964 — 1983, Münster 2008.

7 Siehe „fünf jahre“.

8 Vgl. Süddeutsche Zeitung 232/1972.