Flusslandschaft 2015

Rechtsextremismus

Am 5. Januar wollen die Antiislamisten von Mügida („Münchner gegen die Islamisierung des Abendlands“) zum zweiten „Abendspaziergang“ ab 18.30 Uhr unter dem Motto „Meinungsdiktatur – Nein Danke!“ vom Sendlingertor-Platz über den Oberanger, Rindermarkt, Marienplatz, Diener-
straße, Residenstraße zur Abschlusskundgebung auf dem Max-Joseph-Platz ziehen. Die von Poli-
zisten beschützten fünfzig blassen Demonstranten werden schon im Oberanger von etwa 1.500 Gegendemonstranten eingekesselt. Die Polizei bahnt der kleinen Gruppe schließlich eine Gasse zum Roßmarkt. Die Antiislamisten müssen ihr Vorhaben abbrechen.1

Richy Meyer meint: Bei der rebellierenden Selbstunterwerfung wird der Widerstand gegen soziale Ausgrenzung nicht gegen die Verursacher derselben gerichtet, sondern gegen Sündenböcke, gegen noch Schwächere, andere und Fremde. So unterwirft man sich den Zuständen, die man zu be-
kämpfen vorgibt.

Am 7. Januar erschießt in Paris ein islamistisches Killerkommando zwölf Menschen, darunter fünf prominente Karikaturisten aus dem Redaktionsteam der Zeitschrift Charly Hebdo einschließlich des Herausgebers. Weltweit gehen Demonstranten mit Schildern „Je suis Charly“ auf die Straße, so in München am Sonntag, 11. Januar um 15 Uhr auf dem Odeonsplatz. Pagida („Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlands“) sucht sich an diesen Protest anzuhängen.2

Am Montag, 12. Januar, versammeln sich um 17.30 Uhr eingeladen von Bellevue de Monaco 20.000 Münchnerinnen und Münchner auf dem Sendlingertor-Platz, die dagegen Stellung be-
ziehen. Sowohl der Altstadtring als auch die Lindwurmstraße und der Obere Anger sind für den Verkehr gesperrt. Die Straßenbahn fährt nicht mehr. Auf der anderen Seite des Platzes stehen ungefähr 1.500 Pegida-Anhänger vor der Matthäus-Kirche, deren Beleuchtung abgeschaltet ist. Ihre Kundgebung geht im Lärm der 20.000 Gegendemonstranten unter. Schließlich ziehen sie begleitet von Protestierenden zum Stachus, beenden ihre Schlusskundgebung dort um 20 Uhr
und ziehen sich unter schwerer Polizeibedeckung in den Hauptbahnhof zurück.

Um 18.30 Uhr will Mügida auf dem Weißenburger Platz in Haidhausen demonstrieren. Ein großes Polizeiaufgebot ist aufmarschiert. Zunächst sind nur kleine Grüppchen von Gegendemonstranten anwesend. Schließlich sammeln sich etwa 30 Antiislamisten, die sofort von einem Kordon von Polizisten umstellt und bewacht werden. Die Gegendemonstranten werden mehr, machen Lärm und sorgen für eine unangenehme Atmosphäre. Die Demonstranten beschließen schließlich, ohne einen Redebeitrag liefern zu können, einen dritten „Abendspaziergang“ zum Bordeauxplatz und zurück, der von etwa 1.000 Gegendemonstranten mit Sprechchören wie „München ist bunt“, Fanfaren, Trillerpfeifen und Transparenten begleitet wird, so dass diese Manifestation sich in ihr Gegenteil verkehrt. Zurück auf dem Weißenburger Platz verharrt die kleine Gruppe, um sich dann unauffällig zu verkrümeln.3 Richy Meyer meint, es sei schon komisch. Immer sei er Bestandteil der Minderheit gewesen, heute habe er zur Mehrheit gehört. Das fühle sich seltsam an.

Bei einer anschließenden Diskussion in einer Haidhauser Kneipe meint er auf die Frage, was zu tun sei, um zu verhindern dass Menschen sich Al Khaida oder dem „Islamischen Staat“ anschließen, er habe da fünf Punkte. Erstens müsse man den Zentralrat der Exmuslime, der von der großen Koali-
tion der Religionen ignoriert werde, massiv unterstützen. Zweitens sei ein wesentliches Motiv für die islamistischen Aussteiger die vehemente Ablehnung des Kapitalismus. Auch wir müßten offen-
siv den Kapitalismus ablehnen. Drittens gehe es im öffentlichen Diskurs um negative und positive Besetzungen. „Radikal“ ist im Mainstream böse. Wir sollten dafür sorgen, dass „radikal“ in seiner ursprünglichen Bedeutung wieder einen guten Klang bekäme. Viertens fordere er die Elternschule. Islamisten kommen in der Regel aus patriarchalisch-autoritär geprägten Elternhäusern und hätten infolgedessen ein nur wenig ausgeprägtes Selbstwertgefühl. Eine Elternschule habe den Eltern diesen ursächlichen Zusammenhang zu erklären und die Grundlagen einer antipatriarchalen und antiautoritären Erziehung zu vermitteln. Fünftens: Immer wieder frage er sich, was tun gegen die Redemuster der Pegidisten? Ihnen gelänge es ja glänzend, Ressentiments zu beschwören, indem sie raffiniert Konnotationen aufbauten, Zitate streuten, Fakten mit Legenden verrührten und rhe-
torische Fragen aufwürfen. Am Ende sei das besoffene Publikum in seinem Kreis der Gleichge-
sinnten reif für die Schlussapotheose. Diese Inszenierung erreiche, dass Gegenargumente nicht GEGLAUBT würden und dass diese daher nutzlos seien. Er sei sich sicher, dass Aufklärung an den Pegidisten abpralle wie Regentropfen an einem Glasdach. Es gebe für ihn nur einen sinnvollen Weg: Pegidisten seien auszulachen. Für ihre Blödheit müsse man ihnen Verachtung entgegen bringen. Zitat: „Bei euch paart sich eure äoßere Häßlichkeit mit der Häßlichkeit eures Denkens!“

4
Bagida am 19. Januar: Die Dame plant mit Sicherheit nicht die Neuauflage des Unternehmens „Barbarossa“, sondern weckt den rotbärtigen Kaiser im Kyffhäuser.

Am 19. Januar findet wieder ab 17.25 Uhr am Sendlingertor-Platz eine Versammlung unter dem Motto „Tanz den Pegida. Ein Arbeiterfasching“ von Bellevue de Monaco und München ist bunt statt, an der 12.000 Personen, zum Teil kostümiert, teilnehmen. Unter anderem treten auf: Schlachthofbronx, Friedrich Ani, The Moonband, Roger und Schu (Blumentopf), die Wellküren, Wiebke Puls, Amelie Fried, Willy Astor, Doris Dörrie, Mehmet Scholl und Michael Mittermeier.5 Parallel dazu versammeln sich 1.200 Bagida-Anhänger („Bayern gegen die Islamisierung des Abendlands“) ab 19 Uhr auf der westlichen Seite des Platzes hinter den Trambahnlinien vor der Mathäuskirche. Hier schenkt der Pfarrer an Gegendemonstranten heißen Tee aus. Zwischen schwarz-rot-goldenen und weiß-blauen Fahnen sind auch zwei Israel-Flaggen zu sehen. Die Ge-
schichte wiederholt sich. Gegendemonstranten stören die Bagida-Kundgebung, begleiten unter Lärm deren Demonstration zum Stachus und erschweren auch den Abmarsch der Teilnehmer zum Hauptbahnhof.6

Zwei Dutzend Mügida-Anhänger demonstrieren zur gleichen Zeit um 18.30 Uhr an der Gisela-
straße bei der Einmündung in die Leopoldstraße in Schwabing. Sie ziehen beim vierten „Abend-
spaziergang“, ebenfalls begleitet von Protestierenden, zum Professor-Huber-Platz in der Max-
vorstadt.

Am 20. Januar sagen Opfer des Nagelbombenanschlags vom 9. Juni 2004 in der Köln-Mühlheimer Keupstraße beim NSU-Prozess im Justizzentrum an der Nymphenburger Straße aus. Um 9 Uhr beginnen die Unterstützer mit einer Dauerkundgebung vor dem Oberlandesgericht. Um 9.15 Uhr steht die Performance von Günter Wangerin an: Etwa 50 dunkel gekleidete Menschen mit Ge-
sichtsmasken stehen schweigend hinter einem weißen Tuch, das von zwei schwarz gekleideten Männern gehalten wird mit dem Shirt-Aufdruck „VS“ – für Verfassungsschutz. Davor eine kari-
kierte Version von Zschäpe, zu ihren Füßen zwei Leichensäcke und ein Mann in roter Robe als Symbol für die Bundesanwaltschaft, der mit dem Finger auf sie zeigt und ein Schild hochhält mit der Aufschrift „Einzeltäter!“. Parallel dazu informieren Antifa-Gruppen; es kommt zu weiteren Aktionen, ab 17.30 Uhr ist von dort eine Demonstration zum Stachus mit Teilnehmern aus ganz Deutschland geplant.7

8
Ecke Kapuzinerstraße/Thalkirchner Straße in der Nacht vom 22. auf den 23. Januar


Achthundert Antiislamisten von Bagida, unter ihnen etwa 70 Neonazis, marschieren am 26. Januar vom Goetheplatz zur Matthäuskirche, etwa 2.300 Gegendemonstranten protestieren.
Um 20.30 Uhr skandieren die Neonazis „Nationaler Widerstand“ und „Deutschland, erwache“.
Beim fünften „Abendspaziergang“ von Mügida am Professor-Huber-Platz sind nur neun Personen anwesend.

2. Februar: Mit einer Lichterkette zwischen die Matthäuskirche, Ohel Jakob, dem Münchner Forum für Islam, St. Michael und der Salvatorkirche. demonstrieren 15.000 Münchnerinnen und Münchner für Frieden und Toleranz. 350 Teilnehmer zählt Bagida um 19.30 Uhr am Goetheplatz. Von dort geht der Zug über die Lindwurmstraße zum Pocciplatz. Gleich zu Beginn der Demo be-
schlagnahmt die Polizei das Fronttransparent mit der Aufschrift „Wir. Nur wir sind das Volk und geben nun den Takt an. Ihr dort oben – Heuchler – Lügner – Vaterlandsbetrüger – Unser Anfang mit Pegida läutet euer Ende ein“; ein Anruf bei der Staatsanwaltschaft läßt Anfangsverdacht auf „Verunglimpfung des Staates” nach § 90a des Strafgesetzbuches vermuten. Eine Sprecherin der Kundgebung meint, dass heute eigentlich ein Afrikaner hier sprechen sollte. Er käme nun aber doch nicht, weil es für einen „Afrikaner natürlich heute zu kalt“ wäre. Andere Redner meinen, es wären auch deshalb so wenige gekommen, weil es unangenehm kalt sei und schneie.9

Am Vormittag des 3. Februar veranstaltet Die Rechte mit 13 Teilnehmern eine Kundgebung vor dem Gerichtsgebäude in der Nymphenburger Straße. Ein größeres Polizeiaufgebot schützt sie vor etwa hundert Gegendemonstranten. Die Rechten polemisieren gegen den NSU-Prozess und zitieren dabei Bertolt Brecht und Georg Büchner.10

Am Montag, 9. Februar, demonstriert von 17 – 19 Uhr München ist bunt vom Siegestor zur Feld-
herrnhalle, um 18.30 Uhr protestieren 600 von Nobagidamuc auf dem Goetheplatz und um 19 Uhr spazieren 360 Antiislamisten vom Goetheplatz zur Poccistraße.11

Am 16. Februar demonstrieren 280 Menschen gegen Rassismus ab 17.30 Uhr von der Schillerstra-
ße durch das Bahnhofsviertel über die Sonnen- und Lindwurmstraße zum Goetheplatz. Nach der Abschlusskundgebung starten die Rechten, geschützt von einem starken Polizeiaufgebot, ebenfalls auf dem Goetheplatz ihre Propaganda.

Bagida 23. Februar, 19 Uhr am Sendlinger Tor … Das wird offenbar eine Dauereinrichtung. Manche Gegendemonstranten denken, sie haben auch noch etwas besseres zu tun als sich jeden Montag-Abend um die Ohren zu schlagen.

Am 28. Februar demonstriert die Partei „Der dritte Weg“ in Giesing („national, revolutionär und sozialistisch“, gilt als Ersatzstruktur für das verbotene „Freie Netz Süd“). Angemeldet hat die Kundgebung unter dem Motto „Schluss mit dem Völkermord an uns Deutschen“ der langjährige Aktivist des inzwischen verbotenen „Freien Netz Süd“ (FNS), Norman Kempen aus Nürnberg. Versammlungsleiter ist Dominik Hering (Aktionsbund Freising/FNS), es sprechen Roy Asmuß (FNS-Homepage) und Karl-Heinz Statzberger (Kameradschaft München-Nord/FNS).

Bagida am 2. März, 19 Uhr, Königsplatz … Die Demonstranten werden weniger. Ihr Aufmarsch ist alles andere als ein Naziaufmarsch. Aber es handelt sich um eine Demonstration, bei der der lang gehegte Wunsch von Nazis, endlich aus ihrer relativen gesellschaftlichen Isolierung ausbrechen zu können und Teil einer breiteren Bewegung rechts der CSU zu werden, in Erfüllung gehen kann.

12
Etwa 100 vor allem Autonome demonstrieren am 3. März gegen zehn Männer und eine Frau der Partei „Die Rechte”, auf deren Transparent „Freiheit für die politischen Gefangenen in der BRD!” steht.

Da die Bagidas am Montag, 9. März, nach Frankfurt am Main fahren, um die dortigen Fragidas zu unterstützen, verlegen sie den Beginn ihrer Kundgebung auf Samstag, den 7. März, um 16 Uhr auf den Stiglmaierplatz.13

Die Bagidas planen den 9. Abendspaziergang für Montag, 16. März, um 19 Uhr und den 10. am 23. März.14 Für den 6. April, Ostermontag, und den 20. April sind die „Spaziergänge“ abgesagt. Am 27. April demonstrieren die Islamophoben wieder. Frieda von Bülow ist auch wieder dabei.15




16
Schülerinnen und Schüler der städtischen Willy-Brandt-Gesamtschule in der Siegmund-Freud-Straße am Münchner Harthof gestalten vor ihrer Schule drei Plakatwände. Dazu vermerken sie „Schule ohne Rassismus“.

Die Bagidas marschieren am 11. Mai und am 8. Juni um 19 Uhr vom Stiglmaierplatz zum Stachus und zurück. Nur noch wenige haben Lust und Zeit, diesen Aufzug kritisch zu begleiten.

Montag, 15. Juni: Schon wieder Treffen am Stiglmaierplatz.17

Etwa 170 Anhänger der »Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes« (PEGIDA) versammeln sich am Abend des 20. Juli auf dem weiträumig abgesperrten Marienplatz. Ungefähr 1.300 GegendemonstrantInnen lärmen und pfeifen.18 Der zwanzigjährige Paul wird festgenommen, weil der Stock seiner Fahne eher einem Knüppel ähnelt. Er bleibt in U-Haft. Am
8. August demonstrieren ab 13 Uhr über hundert Menschen hinter dem Fronttransparent „Free Paul!“ von der Südseite des Hauptbahnhofs über den Stachus und den Sendlinger Torplatz zum Marienplatz.

Am Montag, den 27. Juli 2015 veranstaltet Bellevue di Monaco eine Kundgebung, die sich gegen die verbale Scharfmacherei der Herren Seehofer, Scheuer, Söder und Herrman und die Asylpolitik der Bayerischen Staatsregierung richtet. Diese politische Zündelei ist brandgefährlich, unerträglich und muss aufhören. Die Veranstalter fordern die Bürger, die mit der bayerischen Asylpolitik nicht einverstanden sind, ihren Unmut lautstark auf die Straße zu tragen! 18.00 Uhr, Max-Joseph-Platz München. Es sprechen: Bernd Mesovic ( Pro Asyl ), Kenan Emini ( alle bleiben! ), Prof. Dr. Armin Nassehi (Soziologe), Claus von Wagner (Kabarettist), Friedrich Ani (Schriftsteller), Christian Stückl (Intendant, Volkstheater), Stephan Zinner (Schauspieler und Söder Darsteller) und Hannes Ringlstetter (Kabarettist). Es spielen Blumentopf, Dreiviertelblut, Jesper Munk, Landlergeschwi-
ster, Hikmet, Claudia Koreck, Kefaet and Selamet K.A.G.E, Well-Kinder, Nouwell Cousine.19

20
Auf dem Stachus am 30. Juli mittags

Philipp Hasselbach, unter anderem vorbestraft wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung, gründete an Hitlers 125. Geburtstag den Münchner Kreisverband der Partei „Die Rechte“. Er ist zur Zeit der Hauptredner bei Kundgebungen der Rechtsextremen. Nach einer dieser Kundgebungen kehren er und seine Kameraden am 10. August im Hirschgarten in Neuhausen ein. Dies sehen Backstage-Betreiber Hans-Georg Stocker und der SPD-Politiker Nima Lirawi, Stocker besteigt eine Bierbank und ruft laut „Dort sitzen die Obernazis von München!“ Unmut ergreift einige Besucher des Biergartens. Nach mehreren Aufforderungen, sich zu schleichen, trinken die Rechten ihr Bier aus und ziehen wieder ab.

Für Samstag, den 15. August, meldet die Partei „Der dritte Weg“ vor dem Einkaufszentrum Mira in der Schleißheimer Straße im Hasenbergl eine Kundgebung von 14 bis 20 Uhr an.21

Am Samstag, 22. August, führt Hasselbach und „Die Rechte“ eine Kundgebungstour in München durch. Die Orte sind: PEP, Tegernseer Platz, Richard-Strauß-Brunnen, Rotkreuzplatz und Pasinger Bahnhofsplatz. BR-Moderator Matthias Matuschik lädt in die Pasing-Arcaden zur Gegendemo und will die Rechten mit lauter Gute-Laune-Musik beschallen. Die Polizei schreitet ein und dreht ihm den Saft ab. Trotzdem übertönen die Sprechchöre der Antifa die Rede von Hasselbach. Schließlich wird der rote Kleinwagen der Nazis besungen. „Ohne Toyota wärt ihr gar nicht hier!“

August: NSU-Watch sitzt seit dem 6. Mai 2013 jeden Verhandlungstag als BeobachterIn im Ober-
landesgericht in München und protokolliert. Für die Dokumentation der Untersuchungsausschüs-
se in Hessen, NRW und Baden-Württemberg wurden regionale NSU-Watch-Gruppen gebildet. Mit zwei- bis dreisprachigen Veröffentlichungen macht NSU-Watch den Prozess auch einer türkisch-
sprachigen und internationalen Öffentlichkeit zugänglich und vernetzt sich – auch über den deut-
schen Kontext hinaus, um den Blick für Rassismus und Rechtsterrorismus zu schärfen. Inzwischen gibt es erfreulicherweise immer mehr antirassistische und antifaschistische Gruppen, die sich zum NSU-Komplex äußern und aktiv sind. Es gibt immer mehr Theaterstücke, Kunstaktionen, Bücher und auch an den Unis ist der NSU vermehrt Thema in Forschung und Lehre. Die öffentlich zugäng-
lichen Protokolle und die antifaschistischen Hintergrundrecherchen ermöglichen in vielen Fällen erst weitergehende gesellschaftliche Diskurse, Analysen und Aktionen. Seit zwei Jahren wird die Arbeit von NSU-Watch durch private Spenden finanziert. Um weiter unabhängig und zuverlässig arbeiten zu können, bracht NSU-Watch dringend Geld, um mindestens bis zum Ende des Prozes-
ses weiter Protokolle erstellen und veröffentlichen zu können, Übersetzungen und Fahrtkosten zu bezahlen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit auf deutsch und türkisch leisten zu können, zu vernet-
zen und zu recherchieren. Jeder einzelne Prozesstag kostet uns im Durchschnitt rund 750 Euro. In dieser Summe sind nicht die Kosten allein an diesem einen Tag enthalten, sondern die gesamte Bereitstellung der Infrastruktur und Personalkosten umgerechnet auf einen Tag. Nach derzeitigem Stand wäre NSU-Watch in sechs Wochen pleite. Bitte helft mit, die Weiterführung dieser Arbeit zu gewährleisten. Sammelt Spenden, organisiert Soli-Parties und macht Werbung für NSU-Watch. Und engagiert euch weiter und mischt euch ein: Die vollständige Aufklärung des NSU braucht einen langen Atem und breiten öffentlichen Druck!22

Am 5. September veranstaltet „Die Rechte“ mehrere Kundgebungen.23

24
Rindermarkt, 12. September, 15 Uhr

Seit dem 20. Juli sitzt Paul in Stadelheim in Untersuchungshaft. Unter dem Motto „FREE PAUL! Fight Repression – Fight Racism“ beginnt am 12. September um 14 Uhr eine zweite Demonstration auf dem Stachus. Für die Zeit nach der Demo kündigen Aktivist_innen bis 22 Uhr eine „Party-De-
mo“ auf dem Rindermarkt an: „Wir blasen die rassistische Kackscheisse erneut mit fetten Bässen, Party und Spaß aus der Stadt. Es war uns eine solche Freude mit euch im Juli vielfältig, fröhlich und friedlich zusammen gegen *GIDA und Co zu tanzen und zu lachen, dass wir beinahe gezwun-
gen sind, Love, Beats & HappyBass Vol.02 steigen zu lassen … Zusätzlich diesmal Slam Poetry und Grafitti, Installation und Schminke.“

Am Samstag, 19. September, veranstaltet „Die Rechte“ eine Kundgebung vor dem Hauptbahnhof und amüsiert sich darüber, wie die Polizei gegen die Gegendemonstranten durchgreift.25

„Montags könnt ich kotzen.“ Es war wieder Montag. Und Pegida war wieder unterwegs. Fotos vom 28. September 2015.26

„’Auto mit Hakenkreuz beschmiert’, ist eine Meldung im Münchner Lokalteil der Süddeutschen Zeitung vom 19. Oktober überschrieben. Sie beginnt so: ‘Das Auto einer türkischstämmigen Fami-
lie in Perlach ist in der Nacht zum Freitag mit einem schwarzen Hakenkreuz beschmiert worden. Die Polizei ermittelt. Für einen politisch rechts motivierten Hintergrund habe man aber bislang keine Anhaltspunkte gefunden, sagte ein Sprecher des Münchner Polizeipräsidiums (…).’ Aller-
dings, so ist der Meldung weiter zu entnehmen, habe die Polizei den Betroffenen geraten, ‘das Hakenkreuz schnell entfernen zu lassen’. Damit sie mit ihrem Auto nicht ‘gegen das Verbot der Verwendung eines verfassungsfeindlichen Symbols’ verstoßen. – So geht ‘Realsatire’. Weshalb die-
se Polizei-Meldung auf der Seite, die einen ausführlichen Bericht über den ‘Open Border Kongress’ der Münchner Kammerspiele brachte, bei dem es, so die Zeitung, zum Thema Migration und Asyl ‘Satire, ernsthafte Debatte und viel Kunst’ gegeben habe, durchaus adäquat platziert war. E.A.“

Im Sommer hat sich die Partei „Die Rechte“ im Hotel zur Post am Pasinger Marienplatz getroffen, in Herbst veranstaltet hier die „Alternative für Deutschland“ eine Kundgebung. Vereine, aber auch die Stadt selbst beschließen in diesem Lokal keine Versammlungen mehr abzuhalten. Die Rechten tagten auch im Lokal Goldener Hirsch in Neuhausen, bis sie dort rausflogen. Jetzt, Ende Oktober, sind sie im Goldenen Ross in der Rosenheimer Straße in Haidhausen. Daraufhin kündigt die Brauerei dem Pächter zum 30. November.

Immer wieder montags … Pegida blieb am 9. November 2015 im eigenen Käfig stecken.28

Für Montag, den 16. November, wird folgende Kundgebung von Pegida angemeldet: 19.00 – 19.45 Odeonsplatz vor Denkmal König Ludwig I, dann über Von-der-Tann-Straße, Franz-Josef-Strauß-
Ring, Hofgartenstraße, Alfons-Goppel-Straße, Maximiliansstraße, Residenzstraße, zurück zum Odeonsplatz vor dem Reiterstandbild. Dort 20.20 – 21.30 Uhr Schlusskundgebung.

Advent, Advent, die Mütze brennt … Pegida im Weihnachtstaumel am 21. Dezember 2015 29

Siehe auch „Flüchtlinge“.


1 Siehe https://www.facebook.com/muenchen.ist.bunt.

2 Siehe dazu auch www.anis-online.de/1/essays/30.htm.

3 Siehe Fotos vom „12. Januar“ auf dem Sendlingertor-Platz und in Haidhausen von Richy Meyer.

4 © Volker Derlath

5 Siehe weitere kommentierte Fotos vom „19. Januar“ von Frieda von Bülow und Franz Gans.

6 Siehe „Volksnahes Staatsballett“ von Wolfgang Blaschka.

7 Siehe Fotos vom „20. Januar“ von Günther Gerstenberg.

8 Foto: Richy Meyer

9 Siehe „bagida“ von Frieda von Bülow.

10 Siehe Fotos vom „3. februar“ von Christoph Klinke.

11 Siehe kommentierte Fotos vom „9. februar“ von Frieda von Bülow.

12 Siehe www.nsuprozess.blogsport.de/2015/02/17/verherrlichung-des-nsu-terrors-verhindern/

13 Siehe „wir sind das volk“ von Frieda von Bülow.

14 Siehe kommentierte Fotos vom „23. märz“ von Frieda von Bülow.

15 Siehe „wenn wir eines tages nie wieder glocken hören …“ von Frieda von Bülow.

16 Fotos vom 2. Mai: Franz Gans

17 Siehe „nasse fahnen flattern nicht im wind“ von Frieda von Bülow.

18 Siehe „Mit Lebensmitteln spielt man nicht oder Die Eier haben wir“ von Frieda von Bülow und „Fuck you Lutz“ von Richy Meyer.

19 Siehe „Solidarität mit Flüchtenden heißt Kampf dem Kapitalismus!“.

20 Foto: Günther Gerstenberg

21 Siehe „mariae himmelfahrt“ von Franz Gans.

22 Siehe www.nsu-watch.info/spenden.

23 Siehe „rechte kundgebungstour“ von Franz Gans.

24 Foto: Günther Gerstenberg

25 Siehe „Halt die Fresse“ von Richy Meyer.

26 Siehe kommentierte Fotos „Pegida und die Linke: Unerträglichkeiten auf beiden Seiten“ von Frieda von Bülow.

27 antifa. Magazin der VVN-Bda für antifaschistische Politik und Kultur vom Nov./Dez. 2015, Aus dem Verband 4.

28 Siehe „Kein Wetter für Schneebälle“ von Frieda von Bülow und „herbsttristesse“ von Franz Gans.

29 Siehe „Advent! Advent! Das Weltbild brennt“ von Frieda von Bülow.

Überraschung

Jahr: 2015
Bereich: Rechtsextremismus